Erfahrung und Erkenntnis sind die besten Lehrmeister!

Große Trockenheit, erste taumelnde Amseln und tote Insekten.

Ich komme mit dem morgendlichen Befüllen der Wasserstellen gleich um kurz nach 05.00 h nicht über den Tag.

Alle paar Stunden so nach und nach muss ich alles kontrollieren, neu wegen Aufheizen oder wegen Verdunstung und Leerstand dann mit kühlendem Wasser auffüllen, die Haltesteinchen richten, die Suppenteller, Untertassen und anderen improvisierten und echten Wasser-Tränken in den Schatten ziehen.

Bäume und Sträucher mit kühlendem Schatten halten noch etwas das Grün, oder geben selbst ihren Nektar noch an die hungrige Tierwelt ab.

Doch dabei fällt mir auf, dass nur ich hier das Grundstück so reich mit Bäumen, Sträuchern, Wildstauden, mit Wildkräutern und wilden und gesetzten Nektartankstellen als Blumen hier stehen habe.

Tot aneinander gereihte Gabionen mit heiß darin aufgefüllt liegenden Steinen, Drahtzäune, zuasphaltiert oder gepflasterte Parkplätze, Linien von Thujahecken umkränzten „tote Hausgarten Golf-Rasen“, die bis zum letzten Zentimeter verkürzt gemäht wurden nach dem ersten Regen und nun nur noch verdorrtes Heu und Erde in sich tragen. Zumindest für die Anlage von Blühwiesen und Magerflächen als Hotspot Flächen für Insekten und Vögel könnte das später dienlich sein.

Ab und zu eine Insel voller, zugegebenermaßen wunderschön aussehender, akribisch gepflegter und gegossener Blumen und Sträucher, die mit gefüllter Blüte oder gänzlich nur grün aber akkurat zu geometrischen Formen missbräuchlich geschändet, niemandem mehr groß wenigstens nur etwas Schatten oder Nahrung spenden.

Diese gänzlich minimal natürlich funktionierenden Natur-Attrappen locken Getier nur zum Schein an, um dann die Schenke mit ihrer bunten Blütenblätterpracht tief geschlossen zu halten. Davor ein verzweifeltes Gebrumme und Gefliege. Es kommt mir so vor, als sei dieses falsche Spiel der Spiegel exakt zum Spiel der Mächtigen, der Konzerne und Indistriegiganten mit ihrem ausgesaugten, dürstenden, mit Schein und Luxus lukrativ angelockten Menschen-Sklaven, die sie arbeitend unter Leistungsdruck und Zeitdruck auf die Spur der Melkmaschine oder zur Schlachtbank führen.

Zufall?!

Wann haben die Menschen aufgehört in und mit der Natur menschlich verstandesgemäss zu leben, um sie dankbar für ihren reichen Segen an Frucht und Material zu unterstützen und zu schützen, statt sie auszurauben und zu vergiften und die Menschen, die das trotzdem noch immer oder wieder als Stimme, Lehrende und Lernende der Natur tun, zu verhöhnen, als Spinner und Psychos, als Außenseiter quasi an den Rand des Unmöglichen abzudrängen oder gar zu berufmorden und für doof zu verkaufen.

Es soll ja bloß keiner auf die Idee kommen, das auch noch multiplizierend und potenzierend nachzumachen. Alle schwimmen ja bitteschön jetzt in Modewahn gehüllt uniformiert und vorgegeben mit im Galeeren-Takt der Werbetrommel!

Wildgärten und Waldgärten kommen mir dann in den Sinn aus der Kinderzeit am Schlossberg in Homberg (Efze) und in Daun in der Eifel.

Da zumindest gab es sie noch.

Auch Omas Garten war mit Ertragszone von Salaten, Kohlarten und vor allem Möhren, Erbsen und Stangen-Bohnen mit Buchsbaum eingegrenzt und sie hatte noch eine Blumenwiese mit Teppichklopfstange, die uns an anderen Tagen als Klettergerüst und Schaukel diente.

Um den Garten herum dann die Pufferzone, um den Garten damit zu schützen mit Staketenzaun, Beerenobst Sträuchern, wilden und gesetzten Büschen und am Rand zur Blumenwiese und mittendrin vereinzelt die Nuss- und Obstbäume, so gesetzt als grüner, lebendiger Wall, der zum Naschen und Klettern mich animierte, oder in deren Schatten an Gesträuch und Geäst wir zum Verweilen eingeladen zu sein schienen.

Wie herrlich waren diese Sommertage und lauen Abende, wenn im Garten gemeinsam gespielt, geerntet, gegärtnert und zuweilen auch gegessen, getrunken und gefeiert wurde.

Besonders in Erinnerung blieb mir ein derartiges Gartenfest von Nachbarn der Omi, die unter den Zwetschgenbäumen am Hang vereinzelt mit schöner Kleidung sich in Grüppchen mit Kaffee und Kuchen im hohen, blühenden Gras trafen und sich dort lachend und in Gespräche vertieft sich labten, aber auch um dann am Abend an einer Tafel mit Speisen, die deftig dufteten und die üppig geschmückt war

, mit feinem Geschirr eingedeckt, derart umfunktioniert war die reich aber natürlich floral aus dem Garten dekorierte Bierbankgarnitur mit Blumengirlanden, die auch meine Omi half zu winden, als Hochzeitstafel, wo sich

alle wieder nach Federballspielen, Geplauder, Spaziergang, Brett- oder Kartenspiel und mit Gesängen zusammen fanden, um das Brautpaar noch einmal freudig und dankbar zugleich für diesen schönen Tag hoch zu jubeln.

Wir drückten uns zur Abendstunde die Nase träumend und lauschend noch lange heimlich platt an dem Schlafzimmerfenster von Omimi Marta, weil wir ja schon zeitig ins Bett mussten, während die Erwachsenen noch etwas diese „Hohe Zeit“ des frisch vermählten Paares mit ihnen feiern wollten.

Eine Gitarre wurde noch bis spät in die Nacht gespielt mit Zither und Melodika und sogar mit einer Mandoline ab und zu begleitet, zum Herzensklang des jungen Brautpaares passend mal laut im Rhythmus hüpfend mit Klatsch-Begleitung, mal mitsingend, oder schunkelnd, mal still lauschend der melancholischen Weise wegen, die mich noch heute erinnernd berührt…

Es war alles vielleicht etwas einfacher, statt luxuriös oder überbordend und es war vielleicht auch etwas schwerer, was die Planung und Umsetzung anging, aber es war natürlicher, es war mit langer Vorfreude und

durch gemeinsames Planen, Organisieren und Zuarbeiten war da zusätzlich ein ganzes Jahr voller Vorfreude, Aufregung und mit bereicherndem, wirklich befriedigendem, satten, glücklichen Ausgang wurde dann alles mit dem Festtag gekrönt.

Es war eine Zeit voller Sehnsucht, Hoffnung, Träume, Dankbarkeit, Hingabe, Gemeinschaft und Zufriedenheit.

Ich empfinde dagegen den Fortschritt als negativ zerreißendes Extrem:

Alles kann, nichts muss, Hauptsache Bewegung und kein erholsamer Stillstand, immer weiter, weiter, weiter und schneller, dann wieder weiter, weiter und rundherum im Hamsterrad, stets immer weiter, besser, größer, mehr, höher, gewaltiger, unzufriedener, verarmender, ängstigender, stressiger, lauter, schriller, stinkender, hektischer, einsamer, ärmer, extremer, zerreißender!

Ich sehne mich nach dieser überschaubaren, zufriedenen und gemütlichen Zeit, in der wir auch alle Gefühle und Gedanken positiv wie negativ haben konnten, in der es genauso wie heute und vielleicht morgen hoch und runter ging im individuellen und allgemeinen Lebenskreislauf.

Aber es war alles immer mit der Zeit und mit der Zeit angepasst auch machbar und von eigener Person handelbar ohne überteuerten Firlefanz zu improvisieren bis zum wahren Erreichen und zur Not dann das alles eben mit der Hilfe oder im Tausch und mit Austausch des Nächsten.

Es gab noch stille Träume in uns und kleine Schritte Tag für Tag als Aufgabe zu diesem wirklich gewünschten, angepassten und immer aktuell korrigierten, daher stets stimmigen Ziel.

Es gab noch Technik und Medien, die nicht im Extrem landeten.

Man konnte die Sinne während der Nutzung von Technik und Medien noch gebrauchen indem man Radio hörte und in sich klingen und verhallen ließ und Fernsehen noch thematisch passend dosiert mit dem Geist erfassend nützte, sich im Kino hingegen mit Ohren und Augen die eigenen Grenzen erfahrend, ohne Scham oder Druck von außen bei den Gefühlen von Horror, Liebelei oder Heldentaten sich selbst orientierte und neu seine Grenzen aktualisierend absteckte und gemeinsam über all diese Dinge noch bei einem Eis in der Eisdiele, bei einem Wein oder Bier im Gasthaus oder in Freundeskreisen zuhause mit Spielen und Gesprächen reflektierte, verarbeitete und seelisch und psychisch bereichert nun, derart psychisch gestillt, den Tag ruhig abschliessend, war man innerlich bereit, so dass man zufrieden ins Bett und in den erholsamen, tiefen Schlaf sinken konnte.

Es war eine gute und auch eine glückliche Zeit und ich werde sie nicht mit Ausdrücken wie „primitiv, altmodisch, verstaubt, dumm und unbequem“ verkaufen lassen. Denn Konsum und Werbung aber auch die ersten Konzerne fingen mit diesen miesen Schlagworten für gute Zeiten und das Gute daraus im Allgemeinen, damit an, schon da von der Wurzel her die Menschheit für blöd zu verkaufen, sie einzulullen, abzulenken, mit unbefriedigenden Zielen und Wünschen zu füttern und abhängig zu machen.

NEIN, WAR KEINE GUTE ZEIT(!):

DIE MITTE 60ER-70ER-80ER JAHRE WAREN, SIND UND WERDEN FÜR MICH STETS DIE ALLER-BESTE ZEIT SEIN!!

Natur, ich werde Dir Schritt für Schritt wieder auf Deinem, auf dem natürlichen Weg entgegen eilen und mich und Dich neu entwickeln lassen und daraus werden wir neu aus den Fundamenten dieser Zeit erwachsen und mich und Dich endlich aus dem zerreißenden, manipulativen Sein zurück in unser Lot und Gleichgewicht damit bringen!

C.

©️®️CWG, 05.06.2018

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