Absolut lesenswert zu Bio gegen Regional: 

Der Buch-Abschnitt über Regional und Bio Ausspielung und Greenwashing:

https://www.oekom.de/buecher/vorschau/buch/richtig-rechnen.html

Da heißt es auf den Seiten 18+19: „Regionalität und die mit ihr einhergehenden Verheißungen sind nicht alleine abstrakt zu fassen, sie müssen im eigenen Erleben innerhalb einer sozialen Beziehung gesucht und auf ihren ökonomischen Wert näher bestimmt werden. Im puren Ökologischen löst sich der Vorteil oft auf, weil die regionale Beschaffung nicht automatisch ökologischer ist als die überregionale. Ein Beispiel dafür ist die wissenschaftliche Diskussion um den vermeintlich ökologischen Vorzug des Konsums regional versus überregional produzierter Äpfel. Regelmäßig haben die in Neuseeland erzeugten, in großen Mengen transportierten und in Deutschland konsumierten 

Äpfel in wissenschaftlichen Untersuchungen die günstigere Ökobilanz gegenüber den Äpfeln aus regionaler Produktion, die über Monate in energieintensiven Kühllagern bis zu ihrem Verkauf gelagert werden. Doch untersucht man den Begriff Regionalität von seiner sozioökonomischen Seite, so macht er ganz objektiv Sinn. Regionale Konsum motive sind letztendlich ökonomische Werte, weil sie Garanten der Versorgung und des Wohlstands im lokalen Handlungsspielraum des einzelnen 

Menschen sind. Überregionale Großstrukturen sind anfällig und bergen enorm viele versteckte Risiken für jedes Unternehmen und gleichbedeutend für jeden Konsumenten und jedes wirtschaftende Subjekt. Ein wichtiger Gesichtspunkt in dieser Diskussion ist die Herkunft der Produktionsmittel. Es genügt nicht, wenn man nur ein Endprodukt, wie zum Beispiel einen fertigen Kopfsalat, auf seine Endherkunft prüft. Will man einen tatsächlichen regionalökonomischen Mehrwert schaffen, so muss man die ganze Wertschöpfungskette betrachten und einfordern, 

dass auch das Saatgut, die Energie, die fachliche Qualifikation und die Fruchtbarkeit in Form von Pflanzennährstoffen aus der Region stammen. 

In der Regel ist es im Moment so, dass das Samenkorn für den Salatkopf aus Australien oder China stammt, die Jungpflanze aus den Niederlanden, das Substrat, in dem der Setzling wächst, russischer Herkunft ist, die Arbeitskraft, die die junge Pflanze in den heimischen Erdboden pflanzt und später wieder erntet, für einen kurzen schlecht bezahlten Arbeitsaufenthalt aus Rumänien oder Polen in Deutschland weilt und die Traktortechnik amerikanischer Herkunft ist. Die Energie, mit der der Traktor angetrieben wird, stammt aus arabischen Ölquellen, und der Stickstoffdünger, mit dessen synthetisch 

energieintensiv hergestellten Nährstoffen der Kopfsalat wächst, wird vornehmlich in russischen und osteuropäischen Fabriken produziert. Sind schließlich alle Komponenten an einen Ort zusammengeführt, wächst der Salatkopf in vielleicht sechs Wochen in der Region heran und wird dann geerntet. Wie weit er nach der Ernte wiederum wegtransportiert wird, bevor er endlich seiner endgültigen Bestimmung auf dem Teller eines Konsumierenden angekommen ist, hängt alleine davon ab, wie 

der Produzent vermarktet und nach welchen Kriterien der Konsument einkauft. Beispiele für eine geografisch völlig entgleiste Praxis der Nahrungsmittelversorgung gäbe es mehr als genug. 

Also: Regionalität, wie sie im Moment verstanden und vielfach propagandistisch verwendet wird, ist nicht mehr als ein Wunsch

– und Trugbild. Bei differenzierter Betrachtung und dem Versuch, regionales Wirtschaften genauer zu fassen, wird es aufwendig. Die konkrete Umsetzung von echter regionaler Herkunft bei Nahrungsmitteln ist unter den derzeit gegebenen Umständen so gut wie unmöglich, dafür müsste sich sehr viel an der gängigen Praxis in der Nahrungsmittelproduktion ändern.“


Info, Zitat UND DANK:

Frithjof Rittberger 

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